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Ballistic Missile V2

Die Hackerethik - Teil 1

Was ursprünglich nur als Hilfsmittel gedacht war, um die Flugbahnen ballistischer Geschosse besser und schneller berechnen zu können, ist zum Mythos geworden. Computer werden auf der ganzen Welt in riesigen Stückzahlen hergestellt und eingesetzt.
Datennetze umspannnen den Globus, und das Wissen der Welt findet sich immer mehr in den elektronischen Speichern der Rechengiganten statt in den Bibliotheken. In nahezu jedem Haushalt gibt es computergesteuerte Geräte, oft ist den Besitzern gar nicht bewußt, daß sich hinter der blinkenden Anzeige des Videorecorders oder der Waschmaschine ein Mikroprozessor verbirgt.

Traditionelle Herrschaftsformen wurden von jeher durch das Gewaltmonopol abgesichert. Wer die Macht hat, anderen körperliche oder geistige Gewalt anzutun, der bestimmt das Schicksal des einzelnen und der Gesellschaft. Dabei ist es gleichgültig, ob sich diese Gewalt in der Anzahl der Atomsprengköpfe manifestiert oder in der Präsenz von Behörden, Polizei oder Armee. Der Computer ist ein willkommenes Werkzeug, diese Präsenz zu erhöhen. Indes: Maschinenlesbarer Personalausweis und Volkszählung sind nur zwei Stichworte, die deutlich machen, daß das Gewaltmonopol an Bedeutung verliert und allmählich durch ein Informationsmonopol ersetzt wird. Information ist alles. Der Computer macht's möglich. Entwicklungen müssen frühzeitig erkannt werden, wenn steuernd eingegriffen werden soll. Im Idealfall ermöglicht eine weitreichende Datenerfassung die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen, die wahrscheinliche Reaktionen von Bevölkerungsgruppen vorhersagbar machen, bevor sich die Personen selbst über ihre Handlungen im klaren sind.

Die Angst vor der vermeintlichen Allmacht der Computer ist eines der Phänomene, die den Mythos Computer ausmachen. Schon das Wort Elektronengehirn macht diese Ängste deutlich, und durch die Literatur geistern immer wieder Horrorvisionen von einer schnöden neuen Welt, in welcher die Denkmaschinen sich die Erde untertan machen. Nur wenige Autoren haben es bislang verstanden, deutlich zu machen, daß es eben nicht der Computer ist, der aus sich heraus handelt, sondern daß es der Mensch selbst ist, der seine Erfindung gegen sich selbst einsetzt.

Was George Orwell 1948 als negative Utopie vorwegnahm, war bereits 1975 renovierungsbedürftig: Mit dem "Schockwellenreiter" lieferte John Brunner ein zeitgemäßes Orwell-Update. Auch die Zukunft ist nicht mehr das, was sie einmal war. Schon sind wir dreizehn Jahre weiter, wieder droht die Realität, die Phantasie der Autoren einzuholen. Das Wort Zivilisationsschock macht die Runde.

Computer sind Strukturverstärker. Sie können nichts selbständig tun, sondern unterstützen und verstärken lediglich die ihnen vom Anwender vorgegebenen Strukturen. Und in eben dieser Eigenschaft der Computertechnologie liegt die Gefahr ihres hemmungslosen Einsatzes. Einerseits. Die Eigenschaft des Strukturverstärkers ermöglicht aber auch Innovationen und kreative Impulse, wenn man mal gegen den Strich denkt. Die umfassende Vernetzung der Computersysteme überspringt politische und geographische Grenzen, Entfernungen schrumpfen zur Bedeutungslosigkeit, und es entsteht ein globales Dorf, das jenseits aller Gefahren auch Chancen für die Entwicklung von Alternativen bietet.

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